Dez 24, 2012 - Kathrin    No Comments

Hat sich den jeder gegen mich verschworen/andere Länder, andere Ansichten…

Ich hoffe, ihr habt noch nicht ganz vergessen, wie ich aussehe. Jedenfalls bin ich mein ganzes Leben davon ausgegangen, braune Haare zu haben. In den letzten Wochen bin ich in meinem Weltbild und meiner Selbstwahrnehmung jedoch ziemlich erschüttert worden – zur Belustigung meiner blonden Reisebegleitung (gell, Alicka?).

Das ganze Dilemma fing mit Shins Geburtstag an. Unser koreanischer Mitschüler fragte mich plötzlich, ob meine Locken Natur seien. Ich muss dazu sagen: Es war ein verregneter Tag – dementsprechend gekräuselt waren meine Haare. Für ihn war das „strange“, da er als Asiate schwarze, glatte Haare gewöhnt ist. So kamen wir also auf das Thema, das darin mündete, dass er uns erzählte, er habe mal blond gefärbte Haare gehabt. Woraufhin wir natürlich Fotos sehen wollten. Was er unter blond versteht, war allenfalls dunkelbraun.

Dann lag mir natürlich sofort folgende Frage auf der Zunge: „Wie würdest du meine Haarfarbe bezeichnen?“ Seine Antwort war nicht gerade zufriedenstellend: „blond“. Ich entschuldige mich hiermit bei allen blonden Lesern. Nicht, dass ich etwas gegen blonde Haare hätte, ABER ICH bin nunmal NICHT BLOND!

Wenn eine Person so etwas behauptet, verzweifelt man ja nicht sofort. Leider blieb es aber nicht bei Shins Aussage.

Ein paar Tage später lasen wir einen Text in der Schule, indem das Wort „auburn“ vorkam. Nichts Böses ahnend, fragte ich unseren Lehrer nach der Bedeutung dieses Adjektivs. Nachdem er es gegoogelt hatte (ja, auch Language-Teacher sind nicht allwissend), meinte er zu mir: „So rotbraun, also deine Haarfarbe.“ Damit wollte ich mich so schnell nicht zufriedengeben. Leo liefert folgende Übersetzungen: kastanienbraun, rötlich braun, rostbraun, rotbraun, aber auch goldbraun. Mit kastanienbraun könnte ich ja vielleicht noch leben. An dieser Stelle erneut, ich habe auch nichts gegen rote Haare.

Well, dabei blieb es aber noch nicht. Unser Mexikanerlager ist zweigeteilt. Von Paulina bekomme ich Unterstützung, wohingegen Kevin unentschlossen ist.

Eines Abends wollte ich eigentlich nur noch schnell ins Badezimmer, da verwickelte mich Aki, wie so oft, in ein Gespräch. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich durch Akis Zimmer muss, um zum Badezimmer zu gelangen? Unschuldig sprach sie plötzlich das Thema Haarfarben an; sie wolle sich ihre Haare umfärben – so meine Haarfarbe. So weit so gut, dann kam der Zusatz: aschblond. Nein, ich habe auch nichts gegen aschblond…

Nachdem ich jetzt wahrscheinlich meinen halben Freundeskreis gegen mich aufgebracht habe, wechsle ich jetzt besser das Thema…

Wie wär’s mit Augenfarben? Dazu muss ich ein bisschen länger ausholen: Seit wir nicht mehr im CAE-Kurs sind, haben wir europäische Unterstützung bekomme – von einer Spanierin und einem Franzosen (Elsässer). Irgendwie hat er meinen Reisepass in die Hände bekommen und sich über meine Angabe zur Augenfarbe lustig gemacht: graublau.

Zu guter Letzt wäre nur noch die Namens-Problematik zu nennen. Kathrin, ist ja eigentlich nicht so schwer, oder? Ich bin es ja gewöhnt, dass mich jeder Zweite ohne h schreibt. Im Englischen oder Französischen ergeben sich aber noch ganz andere Fehlerquellen, von der Aussprache mal ganz zu schweigen…

Letztens, als meine Gasteltern zum Abendessen nicht da waren, lag für mich ein Sandwich im Kühlschrank. Auf die Frischhaltefolie war mit Kuli „Katherine“ geschrieben. Zwei Tage später las ich auf einem anderen Zettel: „Bonjour Aki et Katrine. Sie können sich wohl nicht so ganz entscheiden…

Aber ich will mich ja nicht beklagen – immerhin gab es noch nicht die C-Variante: Catherine.

In unserer neuen Klasse mussten wir uns erstmal an neue Namen herantasten. Unser Sorgenkind: „Jorge“. Und dann ist dieser für deutsche Zungen unaussprechbare Name auch noch zweimal vertreten…

Nicholas, unser Lehrer, gab uns die Aufgabe jeden Namen so auszusprechen, wie es die beste Freundin oder der beste Freund täte. Bei Laura fragte er auch noch gleich nach, ob sie mit a-u oder o ausgesprochen werden wolle. Ich bin auch nach vier Monaten noch die englische TH-Kathrin-Variante.

Da lob ich mir doch meine kolumbianische Homestay-Sister, die mich einfach nur „Kat“ nennt. In Lateinamerika werden die Vornamen einsilbig abgekürzt.

So, genug aufgeregt!

Ich wünsche euch allen: Frohe Weihnachten/Joyeux Noël/Merry Christmas!

Eure Kathrin

 

 

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