Sep 7, 2012 - Zusammen    No Comments

3 Busse, anstatt 3 Stunden

Am Samstag ging es für uns nach Quebec City, die Hauptstadt unserer Provinz. Zuerst wollten wir diese wunderschöne Stadt auf eigene Faust erkunden, entschieden uns dann aber, aufgrund einiger Buchungsschwierigkeiten, uns einfach dem Schulausflug anzuschließen 😉

Um 7:45 Uhr sollte es in der Nähe der Metrostation Peel losgehen. Wegen der langen Wege hieß das für uns: Aufstehen um 5:30 Uhr!!!

Vorallem Kathrin war durch den Abend davor ziemlich gerädert. Bei Alicka fuhren die Busse in dieser Frühe leider nicht ganz so oft, wie erwartet, und sie nutzte deshalb eben die Zeit, um an der Haltestelle Eichhörnchen zu beobachten.

Kathrin durfte daher erst einmal 20 Minuten auf sie bei der Metrostation Peel warten. Wir kamen aber beide noch sehr pünktlich an und waren bereit für die Abfahrt.

Wären wir denn wenigstens auch um spätestens 8 Uhr losgefahren … Aber inzwischen wissen wir ja, was die Südamerikaner von Pünktlichkeit halten. Wir konnten erst um ca. 8:15 Uhr überhaupt abfahren.

Soweit, so gut. Noch hätten wir genügend Zeit in Quebec gehabt. Wahrscheinlich hatte sogar jeder damit gerechnet, dass es nicht früher losgehen würde. Nur wir als „Deutsche“ waren eben wirklich pünktlich zur Abfahrt erschienen 😀

Doch schon nach einer halben Stunde Fahrt mussten wir bei einem McDonald’s Halt machen, da unser Bus einen Motorschaden hatte. Aus dem 20-bis-30-Minuten-Stop wurde ein einstündiger Aufenthalt. Wir nutzen die Zeit, um ein wenig in Ruhe zu frühstücken, was wir ja wegen des frühen Aufstehens zu Hause nicht mehr geschafft hatten. Nein, wir haben nichts bei McDonald’s gekauft, sondern gesundheitsbewusst, wie wir sind, Bagel und Äpfel gegessen. Und wir konnten so den kanadischen McDonald’s etwas genauer begutachten und bemerkten, dass man den Ahornblättern wirklich nirgends entkommen kann!

Nach einer Stunde erreichte uns endlich der Ersatzbus und die Fahrt konnte weitergehen. Dummerweise gerieten wir schon bald auf dem Highway in einen Stau. Schnell war uns klar, dass wir damit natürlich hätten rechnen müssen, da viele wohl das verlängerte Wochenende (bei uns war am Montag Labour Day und daher keine Schule :-D) nutzen würden, um wegzufahren. Daher wichen wir auf eine Country Road aus und kamen so in den Genuss, eine schöne Landschaft mit wirklich hübschen Häusern, die uns an Filme und die Südstaaten erinnerten, zu sehen!

Und ihr werdet es nicht glauben,  bald darauf entdeckte unserer Busfahrerin Vivien an unserem neuen Bus schon wieder einen Motorschaden und wir konnten nur noch mit 35 km/h dahinschleichen. Vivien versuchte also ein weiteres Mal, bei ihrem Chef einen neuen Bus zu verlangen. Da sie aber im Bus keinen Empfang hatte (wir sind uns nicht ganz sicher, ob hier Telefonieren während des Autofahrens erlaubt ist), machten wir eine weitere Rast bei einer Tankstelle. Bei der Gelegenheit lernten wir aber zwei weitere Deutsche kennen und fanden heraus, dass der Vater des Mädchens bei der gleichen Firma wie Kathrins Vater arbeitet und die beiden sich sogar kennen (also die Väter)!  Tja, die Welt ist ein Dorf! 🙂

Uns wurde gesagt, dass wir den nächsten Bus bei der Rückfahrt bekämen, es jedoch mit unserem derzeitigen Bus auf keinen Fall über den Fluss nach Quebec schaffen würden, da es auf der Brücke nicht erlaubt ist, nur 35 km/h zu fahren. Wir stellten uns schon mal darauf ein, die Fähre nehmen zu müssen.

Überraschender Weise (keiner weiß, was passiert ist) konnte der Bus aber plötzlich wieder normal fahren; die Warnlämpchen waren erloschen. Wer weiß, was Vivien mit dem Bus angestellt hat, aber wir konnten die Brücke ohne weitere Probleme passieren. Eigentlich hätte die Fahrt insgesamt drei Stunden dauern sollen. Wir sind schließlich um 13:30 Uhr angekommen; also nach über 5 Stunden.

Nichtsdestotrotz genossen wir unseren Aufenthalt. Der Besuch der Montmorency-Fälle wurde auf das Ende verschoben, da jeder nur noch aus dem Bus herauswollte. Endlich angekommen nutzten wir unsere freie Zeit erst einmal um ein Restaurant ausfindig zu machen und gemütlich zu Mittag zu essen. Da wir von den kanadischen Restaurants entweder preislich nicht überzeugt waren oder nicht wussten, was uns für Essen erwarten würde, griffen wir auf Altbewährtes zurück und aßen im „Little Italy“. Und das war die richtige Entscheidung, denn dort bekam Alicka die weltbesten Spaghetti serviert!

Frisch gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zu einem geführten Stadtrundgang. Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben. Seht selbst, wie schön Quebec ist und dass sich der Besuch trotz der widrigen Umstände gelohnt hat:

Was man noch wissen muss, ist, dass Quebec Kunst und Musik sehr schätzt. Da kann es leicht passieren, dass gefragt wird: „Was guck ich da eigentlich gerade an?“ „Wann kommt die Müllabfuhr?“ Und man bekommt zur Antwort: „Das ist moderne Kunst!“

Außerdem kann man an jeder Ecke Straßenmusiker und -künstler sehen. Es ist ganz normal, dass man sich in seiner Mittagspause auf die Straße stellt und etwas Gitarre spielt.

Auch beeindrucken war das Château Frontenac. Es ist ein Hotel, in dem noch heute die gekrönten Häupter residieren, wenn sie zu Besuch in Quebec sind. Dementsprechend ist es auch aufgemacht:

Um 18:00 Uhr mussten wir uns von dem schönen Städtchen leider schon verabschieden, weil ja noch die Wasserfälle auf uns warteten. Und die wollten wir nicht im Dunkeln erleben.

Wir sind uns nicht sicher, ob wir wirklich einen neuen Bus bekommen hatten, denn er sah dem zweiten Bus wirklich zum Verwechseln ähnlich. Fest steht nur, dass es schon wieder technische Probleme gab. Diesmal nicht am Motor, sondern an der Toilette, was sich in einem wirklich unangenehmen Geruch äußerte. Wir waren froh, dass wir zu den Wasserfällen nicht weit zu fahren hatten, und wir so vor dem Geruch schnell wieder fliehen konnten.

Wieder im Bus sitzend bemerkten wir, dass das Problem zum Glück behoben war. Doch unsere dreistündige Heimfahrt konnten wir zunächst immer noch nicht so ganz genießen, was daran lag, dass wir im Bus beinahe erfroren wären. Auf Nachfrage hörten wir, dass die Klimaanlage defekt sei und deshalb die Fenster offen wären. Glücklicherweise bot uns unser Guide jedoch seine Plätze direkt hinter dem Fahrersitz an, die wirklich viel wärmer waren! (Als Alternative hätten wir uns auch noch in den hinteren Teil des Busses setzen können, der ganz warm gewesen wäre. Aber das war uns definitiv zu nah an der Toilette!) Als dann auch noch die Füßstützen klemmten und wir mit vereinten Kräften die Armlehne nicht herunter bekamen, verfielen wir in einen hysterischen Lachkrampf.

Letztendlich konnten wir aber doch noch ein wenig die Landschaft genießen, insbesondere den schönen Sonnenuntergang.

Bald jedoch fielen uns schon die Augen zu. Wir wurden aber alle noch einmal geweckt, als wir die Brücke nach Montreal überquerten. Und die City bei Nacht ist wirklich genial! (Wir waren jedoch zu müde, um unseren Foto aus dem Rucksack zu kramen ;-))

Da uns Vivien aufgrund der vielen Unannehmlichkeiten wenigstens pünktlich heimbringen wollte, kamen wir schon vor halb elf an der Station Peel an. Die Metro erwischten wir auch noch gut, sogar das Umsteigen von Alicka passte zeitlich perfekt. Doch natürlich spielten wieder einmal die Buszeiten nicht mit. So konnten wir uns beide erst um kurz vor zwölf schlafen legen. Trotz der vielen Schlamassel finden wir, hat sich der Ausflug gelohnt. Wir wollen Quebec bald noch einmal besuchen!

In zwei Wochen wollen wir uns ja eigentlich zu den Niagara-Fällen aufmachen. Doch ob wir da wirklich mit der gleichen Organisation hinwollen ist noch die Frage …

Wer weiß, ob wir überhaupt ankommen würden 😀

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