Aug 27, 2012 - Zusammen    No Comments

Nichts, was nicht gelöst werden könnte!

Hallo, Bonjour and Hello,

so langsam finden wir uns in Montreal ein bisschen zurecht und haben auch Insidertipps. Naja, die Sache mit dem Zurechtfinden müssen wir ein wenig einschränken. Am Donnerstag wollten wir beispielsweise nach unserem Ausflug nach Asien (Chinatown), eine Métro nehmen – das sollte ja eigentlich nicht so schwer sein, dachten wir zumindest. Endlich dank eines sehr freundlichen, aber auch hektischen Montréalers an einem Métroeingang angekommen,  folgten wir also dem  Pfeil, der uns zu unserer Linie führen sollte. Zunächst mussten wir eine Etage tiefer, dann einen Gang entlang. Am Ende des Gangs, an den sich wieder eine Rolltreppe anschloss, die diesmal aber nach oben führte, sahen wir erneut einen Métropfeil. Blöderweise zeigte dieser in die exakt entgegengesetzte Richtung. Ja, was lernen wir daraus: Selbst in U-Bahn-Stationen kann man sich verlaufen. Also was tun? Nachdem wir ein paar Mal hin-und hergelaufen sind, mussten wir erneut einen immer hilfsbereiten Montréaler fragen. In einem anderen Gebäude hatten wir dann endlich Erfolg.

Weitere Probleme auf Kathrins Heimweg:

Die öffentlichen Verkehrsmittel können einen durchschnittlichen Hockenheimer schon an seine Grenzen bringen. Endlich in der richtigen Métro sitzend, dachte ich eigentlich, dass jetzt nichts mehr schief gehen könnte. Ich sollte einfach aufhören zu denken!!! Nichtsahnend laufe ich zu meiner Bushaltestelle. Tja, es gab da mal wieder nur ein winziges Problem: Die ganze Straße war aufgrund eines Straßenfestes gesperrt! Und da wir hier nun einmal nicht in Deutschland sind, war von einem Hinweis auf eine Ersatzhaltestelle weit und breit keine Spur. Einen halben Nervenzusammenbruch später saß ich dann auch in dem richtigen Bus – natürlich, nachdem mir der vorherige vor der Nase weggefahren war.

Der Freitag begann für uns gemütlich: Wir gingen mit der Klasse Frühstücken. (Kathrin: „Ich will gar nicht wissen, wie viele Kalorien meine Pancakes hatten“).  Nach einer ergiebigen Stärkung erkundeten wir dann das jüdische Viertel, indem auch das Café war. Unsere Tour führte uns zuerst in einen Teeladen (in den wir unbedingt in der kalten Jahreszeit zurückkehren müssen), anschließend in eine Bagel-Bäckerei. Einen Bagel-Ofen müsst ihr euch ungefähr wie einen Pizza-Ofen vorstellen. Die rohen Bagels werden auf langen, schmalen Holzbrettern hineingeschoben.

Man soll’s nicht glauben, aber wir machen auch noch was anderes als Essen.

Mittags sind wir zum Olympiapark gefahren. Montréal war Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 1976, die, wie auch die diesjährigen, von der Queen eröffnet wurden. Als eigentliches Staatsoberhaupt blickt sie uns jeden Tag grimmig von der 20-Dollar-Note entgegen. Wir fragen uns, wie oft ihr Portrait auf dem Geldschein im Verlauf ihrer langen Amtszeit geändert worden ist.

Wir hatten Tickets für eine guided Tour durch die Schwimm-Arena und das Olympiastadion.

Ein Augenschmaus war beides nicht, dafür aber interessant. Auf den ersten Blick sieht man vor allem eines: Beton. Und zwar so viel, dass man daraus eine Straße bilden könnte, die von Montréal nach Miami reichen würde. (Das ist nicht auf unseren Mist gewachsen. Manche Besserwisser mögen jetzt fragen, wie breit die Straße sein würde: keine Ahnung.)

Glücklicherweise besichtigten wir nicht dreizehneinhalb Jahre früher das Olympiastadion: Damals ist nämlich das Stadiondach unter der Schneelast teilweise eingestürzt. Da freut man sich doch wirklich auf den Winter!

Richtig Stimmung kommt aber auch im Sommer nicht im Stadion auf.  Die Sitzreihen wurden teilweise entfernt und umgeben nicht mehr das gesamte Stadion und das permanente Dach lässt alles duster wirken…

Anschließend ging’s für uns hoch hinaus. Wir wollten einen Blick vom „Tour de Montréal“ auf unsere Metropole werfen. Die Montréaler können über den „Schiefen Turm von Pisa“ nur müde lächeln. Der „Tour de Montréal“ ist 175m hoch und hat eine Neigung von 45 Grad. Zum Vergleich: Das Wahrzeichen Pisas hat gerade mal eine Neigung von 5 Grad. In weniger als zwei Minuten erreicht man mit einer Standseilbahn die Spitze des Olympiaturms, von der man 80km weit schauen kann.

Der Turm wurde 1987 eröffnet.  Nochmal zur Erinnerung: Die Sommerspiele von Montréal waren im Jahr 1976. Gut Ding braucht Weile. Was das Stadion betrifft, haben sich die Kanadier wirklich rangehalten; es wurde sogar schon am Tag der Eröffnungsfeier fertiggestellt.

Ausklingen ließen wir unseren Tag wie er begonnen hatte – mit Essen.  Wir aßen Eis, aber kein gewöhnliches, denn diese Eisdiele verkauft nur mit Ahornsirup gesüßtes Eis. Ja, die Ahornblätter. Jetzt verfolgen sie uns nicht nur auf gefühlten 50 Flaggen pro Straße, Kirchenfenstern oder Rucksäcken, sondern auch im Eis. Der Patriotismus der Kanadier macht eben auch vor der italienischen Jahrhunderterfindung nicht halt.

Im Keller der Eisdiele verfolgten wir im Rahmen eines kleinen Museums die Entwicklung der Sirupherstellung binnen der letzten Jahrhunderte.

Das war’s für’s Erste.

Liebe Grüße aus dem 5887,578 km entfernten Montréal,

Kathrin und Alicka

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