Aug 18, 2012 - Kathrin    No Comments

Der kanadische Knigge: 1. Lektion

Hallo ‚Good old Germany‘,

ich melde mich auch mal…

Glücklicherweise bin ich noch nicht von Grizzlies, Eichhörnchen oder Möwen gefressen worden. Aber warum jagen die Bienen immer nur mich?

Meine Gastfamilie ist sehr nett. Eigentlich besteht sie aus Diane, Luc und Lélé (Léandre). Sie wächst jedoch wöchentlich. Neben mir wohnen noch Aki aus Japan und die Engländerin Katherine hier. Ja, Katherine. Das sorgt natürlich für reichlich Verwirrung. Nächste Woche stößt noch die Kolumbianerin Carolina zu uns. Das kann ja heiter werden: 4 Mädchen und ein salle de bains.

Kanada ist nicht nur das Land der Bieber und Ahornbäume, sondern auch das Mutterland der Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. Wenn man beispielsweise (etwas verloren), mit einem Stadtplan in der Hand, auf dem Gehweg steht, wird man angesprochen, ob man Hilfe benötigt. Außerdem ist es für uns etwas ungewöhnlich, dass jedes Auto an der Kreuzung hält und einen über die Straße lässt. Und da wäre noch die Tatsache, dass auch die Kanadier an Bushaltestellen Schlange stehen.

Soweit, so gut. Nur geht die Höflichkeit der Kanadier über die obligatorische ‚Ca va?‘-Floskel hinaus.

Unser Abendessen (’souper‘ und bl0ß nicht ‚dîner‘, wie die Franzosen sagen) läuft ungefähr so ab:

Erste bis zweite Minute: Diane an alle: <<C‘ est bon?>> (Sie erwartet dabei eine Antwort.)

Vierte Minute: Diane an Luc(, der normalerweise kocht): <<Luc, c’est bon!>>

Siebte Minute: Diane: << Kathrin, c’est bon?>> (Kurz danach wird die gleiche Frage an Aki und Katherine gestellt. Die Reihenfolge kann dabei variieren.)

8. Minute: Diane an eine Gastschülerin: << Tu veux d’autre chose?>> (Willst du noch etwas?)

Standardantwort: << Non, merci. Mais c’etait (très) bon.>> (Nein, danke. Aber es war (sehr) gut.)

9. Minute Diane ist fertig: <<Luc, j’ai bien mangé!>> (Luc, ich hab gut gegessen.)

So, oder so ähnlich läuft das jeden Tag. Ah, und das wiederholt sich dann beim Dessert.

Anscheinend läuft das in anglophonen Familien ähnlich ab.

Alicka weiß zu berichten, dass es nicht reicht, sich während des Essens einmal zu bedanken. Versäumt man es, sich anschließend nochmals zu bedanken, dann wird man gefragt, ob man nicht etwas vergessen hätte.

An dieser Stelle: Mama, Papa, danke, dass es bei uns immer etwas Gutes zu essen gibt. Und ist es mal nicht gut, dann sagen wir es auch!

Das wär’s für heute. Ich hoffe, es geht euch gut!!!

Eure Kathrin

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