Archive from Dezember, 2012
Dez 31, 2012 - Zusammen    No Comments

Lach- und Sachgeschichten

Wir sind euch wohl noch einen Blogartikel über eine koreanische Hausparty schuldig:

Haben Koreaner erst einmal ihre täglich 12-stündige Highschoolzeit und ihren zweijährigen Wehrdienst hinter sich gebracht, sind sie in der Regel „Stress-Raucher“ oder schmeißen berüchtigte Hauspartys.

Jinho, ein Freund Shins, lud uns am 9. Dezember zu einem koreanischen Dinner in sein „Condo“ (kanadisch für Appartement) ein. Mit dabei waren Paulina, Shin, Leute aus unserem „Partner-Cambridge-Kurs“, die an diesem Tag erst ihr Examen hatten, ein Japaner und natürliche ein Haufen Koreaner. Als wir endlich alle (Getränke-)Einkäufe erledigt hatten, durften es sich die „Girls“ auf dem Sofa gemütlich machen und die Jungs standen in der Küche.

Das nennen wir mal Emanzipation!

Nach kurzer Wartezeit wurden uns „Mandu“ serviert. Das sind eine Art chinesische/japanische/koreanische Maultaschen. Das Verspeisen dieser gestaltete sich jedoch höchst schwierig, da jeder erst mal nur ein Stäbchen zur Verfügung hatte.

(Kathrin hätte es auch mit zweien kaum leichter gehabt. Jedes Mal, wenn Shin sie sich mit Stäbchen abkämpfen sieht, bestellt er ihr Messer und Gabel. Ihr einziger Kommentar: „Embarrassing!“
Am 26. Dezember waren wir jedoch in einem koreanischen Restaurant, dass zwar Stäbchen aus Stahl (Nur in Korea üblich. Im Rest Ostasiens sind Stäbchen, die nicht aus Holz sind, ein No-Go! Koreaner nennen es praktisch. Alle anderen finden es unfassbar, was das angeht, mit der Tradition zu brechen.), aber nur Plastikmesser und -gabeln hatte (wer braucht das auch schon? ;-))
Wir (Alicka und Kathrin) waren schließlich die einzigen Nicht-Asiaten.
Kathrin aß ein „koreanisches Schnitzel“, was, mit nur einem Löffel ausgestattet (das Plastikbesteck war nicht stabil genug), ein langes Unterfangen war – sehr zum Amusement ihrer Tischgenossen. Naja, man gibt ja sein Bestes, um zur allgemeinen Unterhaltung beizutragen, nicht?)

Doch zurück zum 9. Dezember:
Als Hauptgang gab es ein Essen zum Selbstbasteln; ganz nach dem Motto „Faltest du noch oder kaust du schon?“

Hier eine kleine Bedienungsanleitung:

Schritt 1:
Man nehme ein Salatblatt in die linke Hand (ihr glaubt doch nicht wirklich, dass wir Teller zur Verfügung gehabt hätten).

Schritt 2:
Man belege dieses mit einer runden Rettichscheibe.

Schritt 3:
Man bestücke das Ganze mit einem Gemisch aus gebratenem Schweinefleisch, Zwiebeln und Gemüse in einer rötlichen Soße (und, ahnt ihr schon die Fleckengefahr?)

Schritt 4:
Zum Abschluss garniere man es noch mit einer etwas dickflüssigen feuerroten Soße. (Schon mal Soße mit Stäbchen geschöpft? 😉 Man lernt nie aus!)

Schritt 5:
Man falte das Ganze zu einem möglichst runden Klumpen.

Das Ergebnis:
Geübte Münder schaffen das auf einen Happen!
Diejenigen, die es vornehmer auf kleinere Bissen versuchen und nicht eine halbe Stunde mit Kauen eines einzigen Bissen beschäftigt sein wollen, werden mit Flecken belohnt.
(Kathrin stand am nächsten Tag bestimmt zehn Minuten mit Fleckenspray in der Waschküche, um ihre helle Jeans sauber zu bekommen. Alicka hat es besser gemacht und nur den Tisch eingesaut.)

Als „Dessert“ bekamen wir noch Sushi serviert, stilecht von einem Japaner, der schon in einem Sushi-Shop gearbeitet hat. Es war auch nicht einfach übliches „Maki“, sondern „Nigiri“!

JsParty01

Anschließend ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und erwischten noch die letzte Metro.

JsParty02

PS: Koreaner sind berüchtigt für ihre Trinkspiele. Doch keine Sorge, das konnte uns aus drei Gründen nichts anhaben:

1.
Wir mussten ja noch nach Hause (zu unseren Gastfamilien) finden und strengten uns daher besonders an, keine Fehler zu machen und nichts trinken zu müssen.

2.
Koreaner sind Gentlemen und trinken schon mal das ein oder andere Gläschen, wenn du eigentlich drangewesen wärst.

3.
Bei einem Spiel war es für Nicht-Koreaner schlichtweg unmöglich mitzuhalten und es machte daher nichts aus, wenn wir Fehler machten (Man hat eben einfach keine Chance zu reagieren, wenn einem koreanische Zahlen zugerufen werden :-D).

Dez 26, 2012 - Alicka    No Comments

Auch von mir noch weihnachtliche Grüße!

Jetzt ist es also wirklich schon Weihnachten. Das hatten wir uns, als wir hier ankamen, noch gar nicht vorstellen können!
Kathrin und ich möchten ja gar nicht daran denken, wie wenig Zeit uns jetzt nur noch bleibt …
In vier Wochen befinden wir uns schon wieder in Deutschland!

Bei mir geht es dieses Jahr an Weihnachten gemütlich zu.

Am Samstag und Sonntag wurde schon das Essen vorbereitet. Ich sage nur:
Tamales, Truthahn mit Cranberry-Rosinen-Reis-Füllung, selbstgemachte Chicha Morada, … *lecker*
(Ich glaube man merkt, dass meine Gastmutter aus Peru kommt ;-))

Auch das Wetter könnte nicht besser sein!
(Zum Beweis, hier der Blick aus meinem Fenster)

Endlich mal eine echte weiße Weihnacht! (Und lasst euch von der Sonne nicht täuschen. Es ist kälter, als es aussieht!)
Da könnt ihr mit euren +15°C zu Hause wohl nicht mithalten 😀

Aber natürlich wurde bei uns nicht nur gegessen.
Nein, wir haben auch noch Filme geguckt 😉
Da ich noch nie „Der Pate“ gesehen hatte, starteten wir einen Filmemarathon. Wir saßen zusammen gemütlich mit Sofakissen auf dem Boden und waren ausreichend mit Tee und Knabbereien versorgt.
Meine Bildungslücke ist jetzt also geschlossen, ich weiß über alle drei Teile Bescheid!

Ich wünsch euch einen schönen restlichen zweiten Weihnachtsfeiertag! (Bei euch ist ja aufgrund der Zeitverschiebung leider nicht mehr viel von übrig …)
Viele Grüße
Alicka

Dez 24, 2012 - Kathrin    No Comments

Hat sich den jeder gegen mich verschworen/andere Länder, andere Ansichten…

Ich hoffe, ihr habt noch nicht ganz vergessen, wie ich aussehe. Jedenfalls bin ich mein ganzes Leben davon ausgegangen, braune Haare zu haben. In den letzten Wochen bin ich in meinem Weltbild und meiner Selbstwahrnehmung jedoch ziemlich erschüttert worden – zur Belustigung meiner blonden Reisebegleitung (gell, Alicka?).

Das ganze Dilemma fing mit Shins Geburtstag an. Unser koreanischer Mitschüler fragte mich plötzlich, ob meine Locken Natur seien. Ich muss dazu sagen: Es war ein verregneter Tag – dementsprechend gekräuselt waren meine Haare. Für ihn war das „strange“, da er als Asiate schwarze, glatte Haare gewöhnt ist. So kamen wir also auf das Thema, das darin mündete, dass er uns erzählte, er habe mal blond gefärbte Haare gehabt. Woraufhin wir natürlich Fotos sehen wollten. Was er unter blond versteht, war allenfalls dunkelbraun.

Dann lag mir natürlich sofort folgende Frage auf der Zunge: „Wie würdest du meine Haarfarbe bezeichnen?“ Seine Antwort war nicht gerade zufriedenstellend: „blond“. Ich entschuldige mich hiermit bei allen blonden Lesern. Nicht, dass ich etwas gegen blonde Haare hätte, ABER ICH bin nunmal NICHT BLOND!

Wenn eine Person so etwas behauptet, verzweifelt man ja nicht sofort. Leider blieb es aber nicht bei Shins Aussage.

Ein paar Tage später lasen wir einen Text in der Schule, indem das Wort „auburn“ vorkam. Nichts Böses ahnend, fragte ich unseren Lehrer nach der Bedeutung dieses Adjektivs. Nachdem er es gegoogelt hatte (ja, auch Language-Teacher sind nicht allwissend), meinte er zu mir: „So rotbraun, also deine Haarfarbe.“ Damit wollte ich mich so schnell nicht zufriedengeben. Leo liefert folgende Übersetzungen: kastanienbraun, rötlich braun, rostbraun, rotbraun, aber auch goldbraun. Mit kastanienbraun könnte ich ja vielleicht noch leben. An dieser Stelle erneut, ich habe auch nichts gegen rote Haare.

Well, dabei blieb es aber noch nicht. Unser Mexikanerlager ist zweigeteilt. Von Paulina bekomme ich Unterstützung, wohingegen Kevin unentschlossen ist.

Eines Abends wollte ich eigentlich nur noch schnell ins Badezimmer, da verwickelte mich Aki, wie so oft, in ein Gespräch. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich durch Akis Zimmer muss, um zum Badezimmer zu gelangen? Unschuldig sprach sie plötzlich das Thema Haarfarben an; sie wolle sich ihre Haare umfärben – so meine Haarfarbe. So weit so gut, dann kam der Zusatz: aschblond. Nein, ich habe auch nichts gegen aschblond…

Nachdem ich jetzt wahrscheinlich meinen halben Freundeskreis gegen mich aufgebracht habe, wechsle ich jetzt besser das Thema…

Wie wär’s mit Augenfarben? Dazu muss ich ein bisschen länger ausholen: Seit wir nicht mehr im CAE-Kurs sind, haben wir europäische Unterstützung bekomme – von einer Spanierin und einem Franzosen (Elsässer). Irgendwie hat er meinen Reisepass in die Hände bekommen und sich über meine Angabe zur Augenfarbe lustig gemacht: graublau.

Zu guter Letzt wäre nur noch die Namens-Problematik zu nennen. Kathrin, ist ja eigentlich nicht so schwer, oder? Ich bin es ja gewöhnt, dass mich jeder Zweite ohne h schreibt. Im Englischen oder Französischen ergeben sich aber noch ganz andere Fehlerquellen, von der Aussprache mal ganz zu schweigen…

Letztens, als meine Gasteltern zum Abendessen nicht da waren, lag für mich ein Sandwich im Kühlschrank. Auf die Frischhaltefolie war mit Kuli „Katherine“ geschrieben. Zwei Tage später las ich auf einem anderen Zettel: „Bonjour Aki et Katrine. Sie können sich wohl nicht so ganz entscheiden…

Aber ich will mich ja nicht beklagen – immerhin gab es noch nicht die C-Variante: Catherine.

In unserer neuen Klasse mussten wir uns erstmal an neue Namen herantasten. Unser Sorgenkind: „Jorge“. Und dann ist dieser für deutsche Zungen unaussprechbare Name auch noch zweimal vertreten…

Nicholas, unser Lehrer, gab uns die Aufgabe jeden Namen so auszusprechen, wie es die beste Freundin oder der beste Freund täte. Bei Laura fragte er auch noch gleich nach, ob sie mit a-u oder o ausgesprochen werden wolle. Ich bin auch nach vier Monaten noch die englische TH-Kathrin-Variante.

Da lob ich mir doch meine kolumbianische Homestay-Sister, die mich einfach nur „Kat“ nennt. In Lateinamerika werden die Vornamen einsilbig abgekürzt.

So, genug aufgeregt!

Ich wünsche euch allen: Frohe Weihnachten/Joyeux Noël/Merry Christmas!

Eure Kathrin