Archive from November, 2012
Nov 14, 2012 - Zusammen    No Comments

Redmen vs. Queens

Ein Land im Trauerzustand: Ganz Kanada ist am Boden zerstört und wird im Winter wohl in Depressionen versinken.

Der Grund: Der Beginn der Ice Hockey Season 2012/2013 verzögert sich, wenn sie überhaupt noch stattfindet.

Mit was sollen sich die Kanadier nun in der eisigen Kälte und Dunkelheit die Zeit vertreiben?
Für einen echten Kanadier fast unzumutbar, für uns aber gerade recht, sind die Spiele der Uni-Mannschaften.

Wir feuerten natürlich die Redmen der Mc Gill-University in Montreal (rote Trikots ;-)) an. Sie spielten gegen die Queens. Von welcher Uni sie kommen, wissen wir bis heute nicht.

Viel interessanter war ohnehin die Spielerliste mit Geburtsdaten, Studiengängen, und Heimatstädten (auf ihrer Internetseite kann man von den meisten Spielern sogar Bilder sehen). Ein Großteil der Stadiumbesucher machten Schüler der ILSC aus. Außerdem begegneten wir unserem Toronto-Tourguide Marcus.

Wir nutzten die Gelegenheit, um uns mit unseren Mitschülern auszutauschen.

Unser Herz flog der Pausenunterhaltung zu: Grundschul- oder vielleicht sogar erst Kindergartenkinder beim Hockeyspielen.

Auch ein Bild mit dem Maskottchen durfte natürlich nicht fehlen.

Natürlich siegte unser Team souverän mit 2:0.
Das Ice-Hockey Stadion hat uns nicht zum letzten Mal gesehen…

Nov 13, 2012 - Zusammen    No Comments

In der Weihnachtsbäckerei

Todesmutig standen wir am Samstag pünktlich um 12 Uhr in der Küche.
Unsere Mission: Weihnachtsplätzchen.
Vanillekipferl, Lebkuchen und Schokocookies.

Bevor nun irgendwelche Kommentare von euch kommen: Ja, wir wissen, dass es erst Anfang November ist!
Aber wir stehen mittlerweile kurz vor unserem Examen und wissen nicht, wie viel Zeit und Muße wir in den nächsten Wochen für’s Backen haben werden.

Zutaten hatten wir am Mittwoch besorgt und schon da hatten sich die ersten Probleme aufgetan.
Die Logik kanadischer Supermärkte hat sich uns durchschnittlichen Europäern nicht erschlossen.
Wer Puderzucker neben normalem Rohrzucker oder Mehl neben Backpulver erwartet, hat weit gefehlt.
Und warum sollte man auch verschiedene Sorten Backpulver (das in kleinen Päckchen und das im Glas) nebeneinander ins Regal stellen?  Die waren in unterschiedliche Gänge geräumt!
Und geriebene Mandeln bei  Mehl, wo gibt’s denn so was – außer in Europa?

Nach kurzweiligen 45 Minuten hatten wir endlich alles beisammen, mit einigen Einschränkungen.

Wir konnten keine Schokotropfen ohne Milch finden, also griffen wir auf Cranberries zurück. Und wer braucht schon Puderzucker? Leinsamen wurden durch Mandeln ersetzt.
Letztendlich fanden wir sogar die im Rezept angegebenen Backpulverpäckchen der altvertrauten deutschen Dr. Oetker-Marke. (Nein, das ist keine Schleichwerbung.)
Ach, wenn wir schon mal bei den Päckchen „Made in Germany“ sind,  die deutsche Gründlichkeit war unverkennbar. Es nimmt schon einige Anstrengungen und etwas Geduld in Anspruch die Vanillezucker-oder Packpulverpäckchen mit bloßen Händen zu öffnen.

Am Samstag war es dann also soweit. Alicka erreichte ohne größere Zwischenfälle Kathrins momentanes Zuhause.
Und dann ging es auch schon – durch den „Dienstboteneingang“ (Habt ihr etwa geglaubt, Kathrin würde den Haupteingang benutzen?)  – direkt in die Küche.

Zuerst trauten wir uns an den Teig für die Vanillekipferl, denn dieser musste zwei Stunden in den Kühlschrank gelegt werden.
Hier ergaben sich schon die ersten Schwierigkeiten. Der Teig wollte sich nicht so ganz kneten lassen und fiel immer wieder auseinander. Aber immerhin schafften wir es, ihn am Schluss zu einem Klumpen zu formen. Und im Gegensatz zu Alickas Zuhause hatten wir hier sogar eine Küchenwaage zur Hand. (Alicka: „Könnt ihr euch vorstellen, wie umständlich es ist, zwei Apfelkuchen ohne Waage zu backen? Ich musste alles in Cups umrechnen und nebenbei mit versehentlich gekauftem Würfelzucker und nicht vorhandenen Kuchen-, sondern Auflaufformen improvisieren. Das Ergebnis hat aber trotzdem geschmeckt. Das ist jedoch eine andere Geschichte!“)

Mit dem fertigen Teig im Kühlschrank ging es an die Cookies. Der Teig war diesmal kein Problem, auch wenn wir etwas mit dem Handrührer zu kämpfen hatten. Es war wie verhext. Jedes Mal wand sich der Teig an einem der Rührer empor, sodass wir immer wieder stoppen und den Teig mit dem Löffel abkratzen mussten.

Dabei kamen wir jedoch auch in den Genuss, ein bisschen zu naschen. Wir wussten schon: Das wird was!
Die Cookies kamen bei 180° in den Ofen. Nach 15 Minuten waren sie immer noch viel zu weich. Etwas verwundert ließen wir sie also doppelt so lang wie die vorgegebene  Backzeit im Ofen.

Wir konnten uns nicht einigen, wann es Zeit wäre, die Cookies herauszuholen. Kathrin wollte sie etwas weicher, Alicka knusprig. Während wir schon den Lebkuchenteig vorbereiteten, wurde diskutiert. Sogar Aki wurde zu Rate gezogen, die sich aber diplomatisch heraushielt.
Irgendwann schauten wir alle zehn Sekunden in den Ofen und prüften unsere Sorgenkinder. Schließlich passten wir die perfekte Zeit ab (Kathrin: „Weil ich die Initiative ergriffen habe!“ Alicka: „Sie wären auch etwas knuspriger noch gut gewesen!“)

Dann ging’s an die Lebkuchen. Habt ihr schon mal probiert, Lebkuchen ohne Lebkuchengewürz, ohne Obladen und anstatt mit Nüssen, mit Haferflocken zu backen?
„When in Rome, do as the Romans do!“
Folglich ersetzten wir Lebkuchengewürz durch Ahornsirup und Zimt.

Dadurch wurde der Teig natürlich etwas klebrig. Das war jedoch kein Problem, wir hatten schließlich den Handrührer zur Hand.

Dummerweise wurden wir während des Backens hungrig und dachten uns nichts dabei, einfach kurz eine Lunchpause mit Toast einzulegen.

Anschließend war der Teig ziemlich zäh. Das lag wohl am Sirup.
Wir hatten etwas Probleme, weitere Zutaten einzurühren. Letzten Endes war das Ergebnis aber zufriedenstellend, wenn es auch nicht wirklich viel mit Lebkuchen zu tun hatte 😀

Wisst ihr eigentlich, warum  Lebkuchen auf Englisch „Gingerbread“ heißen ( und auf Französisch „pain au gingembre“)? Wir wissen es nicht. Wenn euch mal langweilig ist, könnt ihr ja an die Sendung mit der Maus schreiben; die wissen doch auf alles eine Antwort!

Auch die Lebkuchen brauchten im Ofen ungewöhnlich lange.

Zum Schluss ging es dann wieder an die Vanillekipferl. Der Teig war nicht ganz einfach zu formen, doch es war machbar. Die Kipferl wurden zwar etwas größer als gewöhnlich, aber hier in Nordamerika ist ja sowieso alles größer.

Als die dann auch noch im Ofen waren, ging es ans Küche-sauber-machen.

Um vier Uhr warteten wir nur noch drauf, dass die Kipferl endlich fertig wurden, wir sie in Vanillezucker tauchen konnte und Zeit für einen Film hatten. Aber die Plätzchen wurden einfach nicht hart!

Irgendwann inspizierte Alicka den Ofen etwas genauer. Und da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen!  Hier verdrehen sie ja alle Maßeinheiten. Man sagt, man misst 5‘4‘‘ und nicht 1,62 Meter. Man wiegt 100 Pfund und nicht 45 Kilo. Und so sieht man am Ofen auch erst mal nur °F, bevor man die kleinen °C-Zahlen entdeckt!

Wir haben also die ganze Zeit bei ca. 80°C gebacken!!! Kein Wunder, dass es so lange dauerte!
(Alicka muss leider (auf Drängen Kathrins hin) gestehen, dass sie es ja eigentlich hätte wissen müssen. Denn bei ihr zu Hause hatte sie ja schon einmal mit Fahrenheit gebacken. Dort hatte sie es jedoch schon vorher gemerkt :-D)

Aber es passt ja irgendwie zur bilingualen Stadt Montreal, dass sogar die Temperatureinheiten in zweierlei Formen angegeben werden  🙂
Zu unserer Verteidigung müssen wir noch sagen, dass in Kanada, anders als in den USA, die Temperaturen in der Wettervorschau und  auch sonst eigentlich überall, in Grad Celsius angegeben werden.

Als die Vanillekipferl dann endlich die angemessene Härte und Bräune hatten, dachten wir, wir hätten alle Hürden gemeistert. Weit gefehlt. Jetzt ging’s erst richtig los. Kaum hatten wir die Kipferl vom Blech, bemerkten wir auch schon, dass sie unten (!) verbrannt waren. Es hatte also doch etwas Gutes, dass  die Kipferl so dick geraten waren. Alicka schabte also alle Plätzchen mit einer Engelsgeduld ab, während Kathrin sie in den Vanillezucker tauchte. Jetzt kommen wir auch schon zum letzten Problem des Tages: Uns ging der Vanillezucker aus. Also mussten wir auf ein kolumbianisches Zimt-Zucker-Kakaogemisch zurückgreifen. Nur blöd, dass sich der Kakao auf den Plätzchen ein wenig aufgelöst hat. Das Ganze sieht jetzt nicht mehr so appetitlich aus – schmeckt aber. Wir nehmen jedoch nur die wirklichen Vanillekipferl mit in die Schule, nicht, dass Shin einen Anlass für ein neues Vorurteil gegenüber deutschen Mädchen hat; von wegen, deutsche Mädchen könnten nicht backen oder so … (dazu mehr in einem anderen Artikel.)

Jetzt haben wir also einen Riesenvorrat an Kalorienbomben. Damit wir gar nicht erst auf die Idee kommen, alles selbst zu essen, bringen wir den Großteil am Dienstag in unsre Klasse mit. Hoffen wir, dass es den anderen genauso gut schmeckt wie uns.

Am Abend schauten wir dann noch gemütlich einen Film („Invictus“ von Clint Eastwood, sehr zu empfehlen!) zusammen mit Aki. Bei ihr haben unsere Nicht-Schoko-sondern-Cranberry-Cookies und Vanille-bzw.-Schokokipferl den Test schon bestanden.

Nov 9, 2012 - Zusammen    No Comments

War da nicht was?

Ja, es soll ja niemand sagen können, Kathrin wolle verschweigen, dass ihre Eltern da waren. Mittlerweile ist jeder wieder zum Alltag zurückgekehrt, aber zwischen dem 11. und dem 24. Oktober herrschte Ausnahmezustand.

Naja, eigentlich äußerte es sich wie folgt:
An manchen Tagen (wir gingen ja trotzdem wie gewohnt zur Schule) trafen wir uns nachmittags zum Kaffeetrinken, Souvenir kaufen oder Essen gehen. Dementsprechend wurden Kathrins Augenringe noch tiefer …

Nur einmal kam sie in den Genuss, im Hotelzimmer ihrer Eltern nahe der Schule zu übernachten. Ach, war das herrlich, den Morgen ohne Bus – oder Metro – fahren zu verbringen.

Am ersten Wochenende waren Freunde von Kathrins Familie aus der Nähe von New York da. An einem Abend ergab sich eine witzige Situation beim Bezahlen der Restaurantrechnung:
Folgendes steht unter dem Motto: „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“
Steve und Reinhold (Kathrins Vater) wollten die Rechnung splitten. Steve hatte dann wiederum das Vorhaben, die Hälfte seiner Hälfte mit Kanadischen Dollarn und den Rest mit US-Amerikanischen Dollarn zu zahlen. Die Bedienung schaute etwas entgeistert. Aus Spaß hat fragte dann auch noch Kathrins Vater, ob er den Restbetrag mit Euros zahlen könnte. Schade, dass ihr nicht dabei wart – die Situation war zu komisch.

Ein anderes Highlight war der Besuch im Biodôme. Dieses befindet sich im umfunktionierten Velodrôme der Olympischen Spiele von 1976.
Es handelt sich dabei um eine Ausstellung, die sich mit Flora und Fauna der unterschiedlichen Klimazonen befasst.

Unser Lehrer Nicholas musste fünfmal hingehen, um das Faultier in Aktion zu sehen.

Bei uns lief es, für Faultierverhältnisse, einen Marathon – das lag wohl eher an der guten Aura Alickas, denn Kathrin zieht ja nicht immer das Glück an.

Kanada ist nicht nur das Heimatland von Justin, sondern auch von echten Bibern. Einer von ihnen ist extra nahe zu Kathrin hingeschwommen, damit sie gute Fotos schießen konnte.

Durch eine Glasscheibe konnte man seine Tauchgänge beobachten.

Der Rundgang begann in den Tropen und endete in der Antarktis, wo wir auf unsere Leidensgenossen trafen.

Spätestens mit unseren dicken Daunenmänteln können wir uns nur noch wie Pinguine bewegen.

Ein Vorschlag Kathrins: „Alicka, wie wär’s mit Tierpsychologin – Schwerpunkt Pinguine?“

Ein paar Frackträger verwechselten wohl die weiße Wand mit einer Eislandschaft am Südpol – so genossen sie also den Ausblick auf die Tapete.

Das Wochenende drauf verbrachten wir dann in Quebec City. Nebel, Regen und Wind wechselten sich ab. Ja, noch haben wir keinen Schnee, aber viel kann nicht mehr fehlen. Doch selbst das schlechteste Wetter kann der Schönheit der Stadt nichts anhaben!

Zugegeben, unser Hotel hatte eine etwas eigenwillige Innenarchitektur. Wir mussten jedes Mal den Ausgang und hinterher wieder unsere Zimmer suchen und haben uns dabei regelmäßig verlaufen. Kathrins Mutter und Alicka würden ohne die beiden anderen wohl immer noch hilflos durch die Gänge irren. Zur Verdeutlichung hier der Wegweiser im Erdgeschoss:

Die Fahrstühle machten es nicht gerade einfacher. Um vom Erdgeschoss in unseren fünften Stock zu gelangen mussten wir nämlich zwei verschiedene Fahrstühle benutzen, da man mit dem einen (siehe Bild) nicht ins Erdgeschoss, mit dem anderen nicht in den fünften Stock gelangen konnte. Und Gott weiß, wir man das dritte Stockwerk erreichen kann. Vielleicht ja über irgendeine versteckte Treppe?

Darüber hinaus sind wir ja immer bemüht an allem etwas positives zu finden: Die Montmorency-Wasserfälle waren viel beeindruckender als im trockenen Sommer. (Der Nachteil: Es strömte auch vom Himmel und Kathrins Schuhe weichten bis zu den Socken durch.)

Kathrins Eltern hatten auch die Gelegenheit, die Gastfamilie ihrer Tochter kennenzulernen, die sich, bis auf ein paar Schwierigkeiten mit der Aussprache der Vornamen, von der allerbesten Seite zeigte.

Einen Tag später hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.
An dieser Stelle liebe Grüße an unsere treuen Leser, vor allem an Mama und Papa Schwab.

Nov 6, 2012 - Kathrin    No Comments

Die Prinzessin auf der Erbse

Eigentlich wollten wir ja nur die Artikel, die wir in den letzten Tagen vorgeschrieben hatten, abtippen, aber jetzt muss ich doch noch was loswerden:

Wir sind in Kanada, nicht in Kalifornien, Japan oder Neuseeland, und trotzdem akut erdbebengefährdet! Ja, ihr habt richtig gelesen; die Erde hat mal wieder gebebt und niemand hat’s mitbekommen.

Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Ganz Montreal  ist im Land der Träume… Ganz Montreal? Nein! Ein von einer müden Deutschen bewohntes Zimmer hört nicht auf, dem „Eindringling Schlaf“ Widerstand zu leisten.
Und das Leben ist nicht leicht für Schlaf-Legionäre…

Ich fühl mich ein bisschen wie dieses gallische Dorf – einsam und verlassen auf weiter Flur. Jeder in meiner Klasse hat das Erdbeben verschlafen, nur ich bin aufgewacht. Nein, ich halluziniere nicht; lest selbst:

„A small earthquake of magnitude 4.2 on the Richter scale rattled through western Quebec Tuesday at 4:05 a.m., Natural Resources Canada reported.                                                                                                                                                                                                                                                                                       Its epicentre was 30 kilometres east of Buckingham, on the outskirts of Gatineau, but people in the Montreal region could feel it. Asked whether Montreal police had received any damage reports, Constable Raphaël Bergeron had a single-word response: ‚Nothing.‘ “ (Canada.com)

Dieses Mal hab ich das Erdbeben viel bewusster erlebt, weil ich das Rütteln einordnen konnte.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind drei!

Bis dann,                                                                                                                                                                                                                                                                                viele Grüße von einer müden Kathrin