Archive from Oktober, 2012
Okt 24, 2012 - Zusammen    No Comments

Hilfe – Erdbeben!

Wir schreiben den 10. Oktober 2012

0:19 Uhr, 1. Stock, Zimmer rechts neben der Treppe im Hause der Boisclairs.

0:19 Uhr, Zimmer ganz hinten im Eck neben dem Bad in Blancas Wohnung.

Kathrin liegt mal wieder lange wach, weil ihre südamerikanischen Mitbewohner nachtaktiv sind. Im Halbschlaf spürt sie plötzlich, dass ihr Bett wackelt; von untern hört man Gekreische.

Das ganze Haus ist still. Alle sind im Moment krank, haben es am Magen oder eine Erkältung. Alicka ist die einzige, die dem kanadischen Wetter erfolgreich standhält und noch nicht einmal mit Schnupfen zu kämpfen hat. Auch sie liegt fast schlafend unter ihrer Bettdecke und hat sich schon halb ins Land der Träume verabschiedet …
Plötzlich spürt Alicka ein leichtes Ruckeln.

Unsicher, ob sie nun schon geträumt hat oder ob das Wackeln an der schlechten kanadischen Bausubstanz gelegen hat, entscheidet Kathrin, dass nichts so wichtig sein könnte, als dass es nicht bis zum nächsten Morgen warten könnte. Im Glauben, dass sich Caro wieder einmal den Weg zum Badezimmer gebahnt hat, dreht sich Kathrin um, zieht die Bettdecke bis zu den Schultern hoch und schläft ein.

Doch in diesem Haus spürt man sowieso jeden Schritt und hört auch jedes Krachen der Dielen. (So ist es immer wieder eine Herausforderung, morgens so lautlos wie möglich zum Badezimmer und der Küche zu gelangen. Dieses Unterfangen scheint so gut wie unmöglich, doch anscheinend stellt sich Alicka nicht allzu schlecht an. Denn nicht umsonst hat sie schon oft genug ihre Gastmutter erschreckt und den Ruf einer Katze weg.) Jedenfalls ignoriert Alicka das Beben völlig und schläft kurz darauf friedlich und nichts von diesem Naturereignis ahnend ein.

Ausnahmsweise steht Carolina heute schon um 6:15 Uhr auf – und mit ihr natürlich mal wieder das ganze Haus – zumindest Kathrin und Estevam. Estevam ist ein ehemaliger brasilianischer Gastschüler der Boisclairs, der gerade zu Besuch ist. Er schläft im Bereich zwischen den Zimmern der drei Mädchen. Da Caro an Estevam vorbei zum Badezimmer muss, hat sie ihn aufgeweckt und in ein Gespräch verwickelt. Einen Fetzen hat Kathrin aufgeschnappt: „Kathrin s’est réveillée?“ Daraufhin öffnet Besagte die Tür. Caro will von ihr wissen, ob sie das Erdbeben mitbekommen habe. Etwas erstaunt gibt Kathrin zurück: „Erdbeben?“ Fieberhaft überlegt sie, ob Caro wissen könnte, dass sie sie oft mit einem wandelnden Erdbeben vergleicht. Schlaftrunken wie sie ist, dämmert es ihr nur langsam. „Moment, da war was – das Gewackel, das Gekreische …“ Estevam erklärt ihr dann, dass in der Nacht ein dreisekündiges Erbeben – „tremblement de terre“ – stattgefunden habe.
In der Schule angekommen, ist das Beben natürlich Gesprächsthema Nummer 1. Nur eine kann nicht mitreden – Alicka. Es dürfte euch ja nicht wundern, dass sie zu spät ist. So verpasst sie also Shins Frage: „Nicholas, have you noticed the EARTHCAKE?“
Kathrin grunzt und auch Nicholas muss über den Pronunciation-Fehler schmunzeln und malt eine halbe Erdkugel mit Kerzen – also einen echten Earthcake – an die Tafel. Fotos sind leider keine überliefert.
Zwanzig Minuten später taucht dann auch Alaska auf. Bis zur Pause kann Kathrin sie jedoch nicht fragen, wie sie das Beben erlebt hat. Als sich endlich die Gelegenheit ergibt, stößt Alicka erstaunt aus: „Das war ein Erdbeben?“

Am nächsten Morgen ist nur Alicka schon um 7 Uhr wach. Sie macht sich leise Frühstück und ihr Lunch und verlässt leider etwas zu spät, nämlich ein paar Minuten nach 8 Uhr, das Haus, sodass sie den Bus um 8:02 Uhr natürlich nicht mehr erwischt. Das Erdbeben ist völlig vergessen.
Eigentlich wäre das mit der Pünktlichkeit auch noch gar kein Problem, doch manchmal spielen die Busse eben einfach nicht mit.
Würde der 8.12er-Bus kommen, wäre Alicka um halb neun an der Metrostation.
Würde sie dann gleich die Metro erwischen, wäre sie ca. zehn Minuten vor neun bei Square Victoria.
Und würde Alicka von dort ganz normal zur Schule laufen, wäre sie noch vor Unterrichtsbeginn da.
ABER: Der Bus kommt einfach nicht.
Was soll man da machen? – Außer warten.
Aber auch das hat sein Gutes, denn so kommt Alicka mit manchem Kanadier und Quasi-Nachbarn ins Gespräch. Und meistens versuchen diese gleich einem vor dem kalten, kalten Winter Angst zu machen 😀
Der Bus kommt dann schließlich erst nach halb neun an ihrer Haltestelle an. Alicka kommt dadurch natürlich entsprechend spät in der Schule an.
Umsichtig, wie sie ist, schreibt sie Kathrin schon um halb neun eine SmS (in Englisch!), damit diese es an Nicholas weitergeben kann.
Aber, wie sollte es auch anders sein, hat Kathrin ihr Handy aus. Folglich liest sie die SmS gar nicht. (Anmerkung Kathrins: „Was heißt hier ‚wie sollte es auch anders sein‘ – normalerweise habe ich mein Handy immer an.“)
In der Schule angekommen, ist zwar noch der „earthcake“ an der Tafel, doch Alicka weiß damit, ohne Erklärung, natürlich nichts anzufangen. In der Pause hält Kathrin es dann endgültig nicht mehr aus und stürmt auf Alicka mit der Frage nach dem Erdbeben zu. Diese muss zunächst einmal Träume und halbe Erinnerungen auseinander sortieren, bis klar ist, was Kathrin meint.

Schnell eilen beide zu den Rechnern in der Common-Area und mailen die Neuigkeit ihren Lieben nach Hause.

Später kommt es übrigens noch einmal zu sprachlichen Missverständnissen:
Anstatt „How do we have to protect us from the earthquake“ meint Shin „How do we have to protect the earthcake?“.

Anmerkung: Nicht, dass das irgendjemand falsch verstehen sollte. Das ist keine Schadenfreude! Es ist immer wieder für uns alle lustig über solche kleinen Missverständnisse und Pronunciationfehler zu stolpern und wir lachen auch über uns selbst. Im Übrigen ist es oft auch gar nicht einfach, die ganzen verschiedenen Akzente zu verstehen, doch wir geben uns die größte Mühe.

Viele Grüße von den Überlebenden!!!

Okt 1, 2012 - Zusammen    No Comments

Schlafentzug Teil 4

Im Land der Schlümpfe

Unser Tourguide warnte uns schon vor, dass es sich bei der Umgebung der Niagarafälle nicht um unberührte Natur handeln würde.

Zunächst waren wir etwas schockiert, als wir in einer Miniversion von Las Vegas ankamen. Unsere Unterbringung war ein typisch amerikanisches Motel, wie im Film.

Bei unserer Ankunft platzten wir quasi in einen Ungesellinnenabschied rein. Vor dem Motel wurde lautstark Karaoke gesungen. Aus Neugier auf Niagara-on-the-Lake und auch um dem schrägen Gesang zu entkommen, stürtzen wir uns also ins Nachtleben der kleinen Stadt.

Wir liefen durch die Straßen und inspizierten die vielen Spielhallen, Gruselkabinette und auch einen Schokoladenladen.

Das kanadische Essen hat bei uns wohl schon ein wenig angesetzt …

Unser Hauptziel waren jedoch natürlich die Niagara-Fälle bei Nacht!

 

Übernächtigt starteten wir schon wieder um halb sieben in den nächsten Tag, wurden jedoch von einem guten Frühstück überrascht. Es gab Bacon für Alicka und Pancakes für Kathrin.

 

Frisch gestärkt ging es dann auch gleich zur Table-Rock-Aussichtsplattform. Bei Tag sind die Wasserfälle noch weitaus beeindruckender!

Wir sahen die amerikanischen Wasserfälle und die noch viel besseren kanadischen Horseshoe-Wasserfälle.

Hier also im Vergleich: Links die mickrigen Wasserfälle der USA, rechts die unvergleichlichen von Kanada.

 

Nach ausgiebigem Fotographieren ging es dann auf die „Maid of the Mist“-Bootstour. Wir trugen die original blauen Regencapes, die ihr sicher alle aus Film oder Fernsehen kennt.

Die Tour war einfach unglaublich. Leider konnten wir direkt im „Mist“ keine Fotos mehr machen, da unsere Fotos nicht wasserfest sind. Aber hier mal ein kleiner Einblick vom Anfang und vom Ende der Tour.

Wir standen direkt am Bug des Bootes und hatten einen unvergleichlichen Ausblick, wenn wir nicht gerade damit beschäftigt waren, unsere Kapuzen festzuhalten oder uns Wasser aus den Augen zu reiben. Ganz nah an den Fällen waren wir nur noch von weißem Dunst umhüllt und sahen fast unsere Hand vor Augen nicht.

Anschließend machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg. Nichts Böses ahnend dösten wir gemütlich im Bus, als wir plötzlich auf den Standstreifen ausweichten und der Busfahrer Bremsübungen machte. Der Grund hierfür war ein anhaltender Gummigestank, der uns schon seit dem vorherigen Tag verfolgte.

Schnell war klar, dass wir auf einen Rastplatz ausweichen mussten. Gut, dass es hier an jeder Ecke einen Tim Horton’s gibt 😉

Kaum angekommen waren wir schon in Rauch gehüllt. Nach einer einstündigen Pause erörterte unser Tourguide, dass wohl die Bremse in gedrückter Stellung festgeklemmt gewesen war. Doch nun sei wieder alles in Ordnung und wir könnten unsere Heimreise fortsetzen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl begaben wir uns also wieder in den Bus.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir um zehn Uhr Montreal und fielen in unsere Betten, denn am nächsten Tag war ja schon wieder Schule!

End.