Archive from September, 2012
Sep 29, 2012 - Zusammen    No Comments

Schlafentzug Teil 3

Hoch hinaus

Kanadier leben für Hockey.

Deshalb „zwang“ uns unser Tourguide dazu, uns den Eingangsbereich der Hockey Hall Of Fame anzuschauen. Außer Pucks gab es da jedoch nicht wirklich viel zu sehen.

Danach wartete die Hauptattraktion Torontos auf uns: Der CN Tower.

Er war bis 2007 das höchste „freistehende und nicht abgespannte Bauwerk“ der Welt (wurde dann allerdings von einem Wolkenkratzer in Dubai überholt).

Gut, dass wir beide schwindelfrei sind, denn wir durften in 342 m Höhe über einen Glasboden laufen. Zudem haben wir die erste Bärenattacke überlebt.

Übrigens: In Toronto waren wir doch tatsächlich dem Nordpol näher als euch zu Hause in Deutschland. Wer hätte das gedacht?

Der durchschnittliche Kanadier trinkt 3,5 Tassen Kaffee am Tag, die meisten „to go“. So hatten wir uns vorgenommen, während unseren zwei Stunden Aufenthalt in der Stadt alle Kaffeebecher zu zählen, denen wir begegneten. Zusammen mit Alickas Kaffee kamen wir auf sage und schreibe 27 Stück!

Unser Fazit:
Montreal gefällt uns besser  😀
Toronto fehlt eindeutig das französische Flair!

Danach ging es jedoch weiter zu den Niagara-Fällen, welche uns eindeutig zugesagt haben!!!

To be continued.

Sep 22, 2012 - Zusammen    No Comments

Schlafentzug Teil 2

Coffee Mania

Und täglich grüßt das Murmeltier: Der Wecker klingelt und wir wandeln schlaftrunken ins Badezimmer.

Zwei Sachen waren jedoch anders:

1. Es war Samstag

2. Es war 4:30 Uhr (in der Nacht)!!!

Wir riefen uns gegenseitig an, um uns zu versichern, dass wir auch beide wach waren.

Noch im Dunklen machten wir uns auf zur Metrostation Peel, wo unser Bus nach Toronto wartete. Ein riesen Stein fiel uns vom Herzen als wir einen neu wirkenden Bus erblickten.

Ein aufregendes Wochenende sollte auf uns warten: die größte Stadt des zweitgrößten Lands der Erde und die „amazing“ Niagarafälle.

Auch diesmal waren wir wieder pünktlich am Treffpunkt, wie alle Deutschen. Denn plötzlich kommen die Kartoffel-Esser wie Mäuse aus den Löchern. Sechs Deutsche waren wir insgesamt, damit aber immer noch in der Unterzahl gegenüber einer italienischen Reisegruppe. Die anderen Deutschen lernen jedoch alle Französisch, weshalb es kein Wunder ist, dass wir ihnen noch nicht über den Weg gelaufen sind. Die schon erwähnten Italiener waren leider nicht alle pünktlich. Zwei von ihnen hatten verschlafen. Deshalb mussten wir eine Schleife fahren, um sie von zu Hause abzuholen.

Nach zwei Stunden Fahrt machten wir unsere erste Rast, natürlich bei Tim Horton’s.
Für alle, die mit der kanadischen Kultur bzw. mit dem kanadischen Patriotismus noch nicht vertraut sind: Tim Horton’s ist der Kaffe-/Donut-/Bagelshop Nummer 1. In Kanada nimmt man die erste Koffein-Dosis nicht gemütlich zu Hause zu sich, sondern schaut vor der Arbeit bei besagter Kette vorbei. Tim Horton’s ist für die Kanadier ein Stück Heimat. Außerhalb von Nordamerika gibt es nur noch einen Tim Horton’s Shop – in Afghanistan. Dieser wurde für die von Heimweh geplagten kanadischen Soldaten gebaut.

Auch folgende wahre(!) Geschichte unterstreicht die Tragweite der zwei Nationalsymbole: Tim Horton’s und das Ahornblatt.

Es war einmal ein einsamer Kanadier in Europa unterwegs.
Er reiste mit seinem Rucksack durch die verschiedenen Länder und bekam viel zu sehen. Selbstverständlich durfte das obligatorische Ahornblatt auf seinem Rucksack nicht fehlen. Doch bald fühlte er sich sehr allein in der Ferne und weit und breit war kein Tim Horton’s in Sicht, wo er sich einen Kaffee hätte kaufen können. Das Schicksal wollt es jedoch, dass er eines Tages einen Tim Horton’s-Coffe-Cup in der Menge erblickte. Er gehörte einem anderen kanadischen Rucksackreisenden. Schnell war den beiden klar, dass das kein Zufall sein konnte. Die beiden Kanadier durchquerten gemeinsam das weite Europa und wurden Freunde für’s Leben.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reisen sie noch heute.

Diese Geschichte erzählte uns unser Tourguide Marcus, welcher übrigens deutsche Vorfahren hat und deshalb Deutsch lernen wollte. Kaum zu glauben, aber wahr:
Dieser Mann spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch und mehr oder weniger Deutsch. Und er behauptet allen Ernstes, dass Japanisch leichter zu erlernen sei, als unsere schöne Muttersprache! Könnt ihr euch das vorstellen!? Unglaublich, oder? Aber er muss es ja wissen…

Nach etwa insgesamt acht Stunden Busfahrt kamen wir schließlich in Toronto an. Dort mussten wir Mut beweisen und haben an dem Tag auch noch einiges erlebt. Aber dafür müsst ihr euch noch ein wenig gedulden.

A suivre.

Sep 19, 2012 - Zusammen    No Comments

Schlafentzug Teil 1

Von wegen, in Kanada isst man nur bei Tim Horton’s

Donnerstabend heißt hier, in Kanada, Weggehen und Feiern. Da unserem Lehrer Nicholas viel daran liegt, uns die „kanadische Kultur“ näher zu bringen, schleppte er uns zu den Hot Spots Montreals, welche er uns am Morgen im Unterricht ausführlich erklärt hatte.

Unsere Klasse besteht aus nur sechs Schülern, wobei wir wohl bald auf vier schrumpfen werden.

An unserem Treffpunkt an der Metrostation Mont Royal war jedoch plötzlich die halbe Schule anwesend. Wir zählten um die zwanzig Leute. Zudem hatte Nicholas noch zwei Freunde eingeladen, die uns auch begleiteten.

Unsere „Destination“ war das Gebiet um den Mont Royal. Wir hatten vor, endlich in die Montrealer Geschmackswelt einzutauchen.

Nein, es ging nicht zu Tim Horton’s.
Wir aßen das Quebecer „Nationalgericht“ Poutine im stadtbekannten „La Banquise“.

Doch was zum Bären ist Poutine?

Es handelt sich dabei um eine nicht ganz kalorienarme Mischung aus matschigen Pommes, einfacher brauner Barbecuesoße und Käse. Das Ganze ist übrigens auch nicht besonders appetitlich anzuschauen, aber, entgegen unserer Erwartungen, essbar!

Poutine gibt es natürlich in zahlreichen Geschmacksrichtungen, aber wir testeten erst einmal die klassische Variante. (Alicka, ganz vegan, bekam es natürlich ohne Käse.)

Richtig lustig wurde es aber erst, als wir das „Lokal“ verließen und die verbleibenden Nachtschwärmer eine Tür weiter zogen. Im schummrigen Licht der Bar genossen wir mehr oder minder gut schmeckende Cocktails, die von unserem Lehrer beurteilt wurden.

Während wir an einem kulturellen Austausch mit den zwei anderen übrig gebliebenen Schülern aus unserem Kurs, einer Brasilianerin und einem Südkoreaner, teilnahmen, verabschiedete sich Nicholas zwischendurch immer mal wieder zum Tischfußball. Saß er allerdings am Tisch, fragte er uns Löcher in den Bauch und schätzte unseren Musikgeschmack ein – mit mäßigem Erfolg.

Um 23:45 Uhr verabschiedeten wir uns dann schließlich. Das heißt, wir Schüler machten uns auf den Heimweg, in dem Glauben, am nächsten Tag einen Test zu schreiben. Ja, unser Lehrer bezeichnete sich selbst als „evil“, weil er einen Test für den nächsten Tag angekündigt hatte und uns Schüler gleichzeitig überzeugt hatte., wegzugehen Er blieb mit seinen Freunden noch bis 2:45 Uhr.

Mit hochroten Köpfen, schwarzen Augenringen und dem obligatorischen Kaffeebecher saßen wir dann am nächsten Tag über unserem achtseitigen Test. Nachdem wir ihn beendet hatten, stellte sich jedoch heraus, dass Nicholas nie vorhatte, die insgesamt 48 Seiten zu korrigieren.

Immerhin hatten wir schon um zwölf Uhr Schule aus und verabschiedeten uns ins Wochenende.

Eine Sache änderte sich da jedoch nicht:
Unser chronischer Schlafmangel.

To be continued.

Sep 12, 2012 - Zusammen    No Comments

Sind wir wirklich schon einen Monat hier?

Kaum zu glauben, aber wahr:
Heute schreiben wir den 12. September 2012.

Einen Monat ist es her, dass wir einen Kulturschock bekamen.
Einen Monat ist es her, dass wir anfingen, uns für alles dreifach zu bedanken.
Einen Monat ist es her, dass wir acht Stunden in einem Flugzeug festsaßen.
Einen Monat ist es her, dass wir das letzte Mal Brezel aßen.
Einen Monat ist es her, dass wir wieder eine Schule betraten.
Einen Monat ist es her, dass wir in „Alika“ und „Catherine“ (Englisch und Französisch) umbenannt wurden.
Einen Monat ist es her, dass Kathrin andere blonde Menschen, außer Alicka, sah.
Einen Monat ist es her, dass wir uns auf das kalte Klima einstellten, welches nun endlich langsam kommt.
Einen Monat ist es her, dass wir das letzte Mal Auto fuhren.
Einen Monat ist es her, dass wir das letzte Mal ausgeschlafen waren.
Einen Monat ist es her, dass wir 240 Volt hatten.
Einen Monat ist es her, dass wir normale Türgriffe und Fenster hatten.
Einen Monat ist es her, dass wir deutsches Fernsehen hatten.
Einen Monat ist es her, dass Kathrin den Sportteil einer deutschen Tageszeitung lesen konnte.
Einen Monat ist es her, dass wir noch nicht auf „How are you?“ und „Ca va?“ antworten mussten.
Einen Monat ist es her, dass wir Kaffee mit unseren Müttern tranken.
Einen Monat ist es her, dass wir von unhöflichen Menschen umgeben waren. 😉

Ihr seht, genau einen Monat ist es her, dass wir unser vertrautes Deutschland verlassen und uns über den Atlantik gewagt haben, um Kanada zu erkunden (nun ja, zumindest den Osten oder besser gesagt, auch nur einen kleinen Teil davon) und Montreal unsicher zu machen.

Was können wir schon für Schlüsse ziehen?

Uns ist jetzt schon klar, im Januar Montreal auf keinen Fall zum letzten Mal gesehen zu haben. Ein halbes Jahr wird wohl kaum ausreichen, um alles zu besuchen, was besuchenswert ist.

In der Schule sind wir jetzt in einem neuen Kurs. Wir haben zwar bis vier Uhr Unterricht, aber unser Lehrer ist so übermotiviert, dass man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Es kann nur passieren, dass man in unausgeschlafenem Zustand dieser Energie noch nicht gewachsen ist. Doch auch dem ist einfach abzuhelfen. So setzten wir heute, als um kurz vor drei keiner mehr aufnahmefähig war und jeder fast auf seinem Stuhl eingeschlief, den Unterricht einfach in einem nahegelegenen Café fort. Dank Espresso und Latte waren wir wieder gestärkt für Pronunciation, Grammar und Vocabulary. Auch weiterhin kommen wir also gerne in unsere Klasse.

Mittlerweile fühlen wir uns auch nicht mehr ganz wie Touristen. Wenn wir beispielsweise mit Nozomi sprechen, die ja gerade erst angekommen ist und auch nur für zwei Wochen bleibt, merken wir, wie gut wir uns doch schon auskennen und verständigen können. Kaum etwas kann uns jetzt noch wirklich abschrecken. Wir kommen mit dem Englisch/Französisch klar und viele Sachen, wie das Bus- und Metrofahren sind für uns schon alltäglich geworden. Wie wird es da wohl sein, sich in nicht einmal fünf Monaten wieder selbst ans Steuer zu setzen? Davor graut es uns zwar schon ein wenig, aber bis jetzt haben wir noch nicht das Gefühl, etwas verlernt zu haben. Das kommt wohl noch …

Schon jetzt können wir den Tourguide unserer abenteuerlichen Quebec-Tour zitieren:
„Montreal, I love you! I don’t wanna miss you. I love you so much!“

Liebe Grüße
Eurer Bärenfutter

Sep 11, 2012 - Zusammen    No Comments

Und wir dachten, wir wären in Kanada…

Hallöchen über den Atlantik,

Freitage sind immer gut, weil wir da schon um 12 Uhr Schule aushaben. Ab dieser Woche werden wir die Freitage noch mehr zu schätzen wissen, weil wir dann immer bis 16 Uhr Schule haben werden.

Voller Tatendrang stürmten wir also aus dem Schulgebäude, um uns auf zum Botanischen Garten zu machen. Fünf Stunden später waren wir nicht mehr so energiegeladen. Aber der Reihe nach:

Der Botanische Garten liegt in der Nähe des Olympiageländes und ist echt riesig, wie eben alles im zweitgrößten Land der Erde.

Die erste Herausforderung bestand also darin, erstmal den Ticketschalter zu finden. (Bisher sind unsere Gauß-Schülerausweise noch immer durchgegangen – mal sehen, wie lange noch.) Dort bekommt man sinnvollerweise einen Plan in die Hand gedrückt. Das Ganze hat natürlich mal wieder einen Haken: Es gibt tausend kleine Wege, die in der Karte nicht eingezeichnet sind. Nach viereinhalb Stunden ist uns aufgefallen, dass an manchen Wegrändern bunte Punkte waren, die das Erkennen der Wege auf der Karte erleichtern sollten. Das sollten sie vielleicht dazuschreiben!

Naja, wir haben auch so wieder herausgefunden.

Zuvor haben wir uns aber die Füße wundgelaufen. Das meinen wir nicht metaphorisch – Kathrin hat wirklich Blasen bekommen. Unsere erste Station war der japanische Garten. Dort haben wir uns noch nicht über die Bonsai-Ausstellung gewundert. Der Stolz der Kanadier auf ihre Ahornbäume dürfte ja auch dem letzten unserer Leser mittlerweile bekannt sein. Deshalb waren wir auch nicht überrascht, unter den Bonsais Mini-Ahornbäume zu finden.

Der Name der nächsten Attraktion klang vielversprechend: Baumhaus. Alle, die jetzt an ein Haus in einem Baum denken, liegen falsch. Diese Erfahrung mussten wir auch machen. Das Baumhaus beherbergte vielmehr eine Ausstellung zum Thema Bäume und, oh Wunder, Bonsais.

Der Garten der „First Nations“, der Ureinwohner Kanadas, war ein Witz. Es gab eine Feuerstelle und ein Zelt zum Thema Ureinwohner. Dieser Teil des Botanischen Gartens war aber nicht mit dem japanischen Garten oder dem chinesischen Garten vergleichbar. Womit wir auch bei unserer nächsten Anlaufstelle wären: dem „jardin chinois“.

In einer Herbstnacht muss der chinesische Garten atemberaubend sein, weil die verschiedenen Pavillons mit bunten Lampions geschmückt sind. Damit noch nicht genug; große Drachen und Terrakottakrieger säumen die Wege und schmücken sogar den See inmitten des Gartens. In dieser Atmosphäre gönnten wir uns erstmal einen Jasmintee.

Frisch gestärkt ging’s auf zum Insektarium, in dem außergewöhnliche Insekten anzutreffen sind. Neben lebendigen ekeligen Spinnen und wandelnden Blättern und Ästen (O-Ton Kathrin: „Keine Ahnung wie die heißen; ich hab Bio schnellstmöglich abgewählt.“) gab es wunderschöne Falter und die farbenprächtigsten Käfer, die man sich vorstellen kann. Die schönen Insekten waren leider alle aufgespießt und dementsprechend tot.

Schon reichlich erschöpft machten wir uns auf den Weg zum Tropenhaus, wo uns (O-Ton: „Nein, nicht schon wieder!“) Bonsais erwarteten. Es gab natürlich noch mehr zu bestaunen, wie zum Beispiel Ananas-Gewächse und Bananenstauden. Wusstet ihr wie eine Ananas wächst? Wir wussten es nicht!

Wir machten in den letzten Tagen jedoch nicht nur eine botanische Weltreise, sondern auch eine kulinarische.

Am Donnerstag mussten wir einen europäischen Supermarkt aufsuchen, weil wir am darauffolgenden Tag deutsche Spezialitäten in die Schule mitbringen sollten. Leider waren in diesem Supermarkt fast alle Lebensmittel abgelaufen, außer, sehr zur Freude Kathrins, „Happy Hippos“. Da war es ja schon fast vergessen, dass ihre Gastfamilie ihre KitKats weggegessen hat und sie am Donnerstagmorgen die leere Packung im Mülleimer vorfinden musste.

Was soll man an deutschen Spezialitäten in die Schule mitbringen? Entweder waren die Lebensmittel verfallen, oder nicht fingerfood-tauglich, wie beispielsweise Sauerkraut und Frankfurter Würstchen. Wir entschieden uns deswegen für „Ritter Sport“. Habt ihr für die Zukunft bessere Ideen? Wir freuen uns über Anregungen!

Einen Tag später waren wir Fish&Chips essen. Ja, auch hier mussten die Kanadier dem Essen ihren Stempel aufdrücken. Man kann zum Beispiel Fisch mit Ahornsirup- oder Peanut-Butter-Marinade bestellen.

Bei Fish&Chips, Happy Hippos, Bonsais und Bananenstauden sind wir uns wirklich nicht mehr sicher, ob wir in Kanada sind!

Ach übrigens, keiner von uns hat von Spinnen oder Bonsais geträumt.

Macht’s gut! Und lest weiterhin fleißig!

Viele Grüße aus dem vielfältigen Kanada,

Alaska und Kate

Sep 9, 2012 - Alicka    No Comments

Stromausfall!

Heute war es bei uns sehr stürmisch, schon am Mittag wären Kathrin und ich beinahe weggeweht worden.

Gerade haben wir unsere neue Mitbewohnerin, Nozomi aus Japan, vom Flughafen abgeholt. Sie bleibt für zwei Wochen bei uns. Auf der Heimfahrt ist uns erst einmal aufgefallen, dass die Straßenlaternen nicht funktioniert haben. Und im Haus können wir keine Lichter anmachen. Alles ist tot!

So sitze ich hier also bei Kerzenschein (ein Glück, dass Blanca so viele Kerzenständer im Haus hat) an meinem Schreibtisch und schreibe diesen Artikel, per Hand, da ich ja auch kein Internet habe.

Als Empfang für Nozomi ist das jetzt natürlich etwas unpraktisch, da sie ihren Koffer im Dunkeln auspacken muss.

Essen müssen wir leider auch kalt. Aber wir können ja von Glück reden, dass Blanca schon mittags gekocht hat, sonst hätten wir gar nichts … 😀

Später gehen wir noch ins Kino, denn hier wird es ja auch mit dem Filmegucken nichts.

PS:
Diesen Artikel konnte ich natürlich erst jetzt veröffentlichen, da ich vorher kein Internet hatte. Aber schon kurz bevor wir gestern das Haus verließen, um zum Kino zu fahren, stellten wir fest, dass wir wieder Strom hatten. Der Sturm hat sich inzwischen wieder gelegt und das Wetter könnte nicht besser sein! 🙂

Sep 7, 2012 - Zusammen    No Comments

3 Busse, anstatt 3 Stunden

Am Samstag ging es für uns nach Quebec City, die Hauptstadt unserer Provinz. Zuerst wollten wir diese wunderschöne Stadt auf eigene Faust erkunden, entschieden uns dann aber, aufgrund einiger Buchungsschwierigkeiten, uns einfach dem Schulausflug anzuschließen 😉

Um 7:45 Uhr sollte es in der Nähe der Metrostation Peel losgehen. Wegen der langen Wege hieß das für uns: Aufstehen um 5:30 Uhr!!!

Vorallem Kathrin war durch den Abend davor ziemlich gerädert. Bei Alicka fuhren die Busse in dieser Frühe leider nicht ganz so oft, wie erwartet, und sie nutzte deshalb eben die Zeit, um an der Haltestelle Eichhörnchen zu beobachten.

Kathrin durfte daher erst einmal 20 Minuten auf sie bei der Metrostation Peel warten. Wir kamen aber beide noch sehr pünktlich an und waren bereit für die Abfahrt.

Wären wir denn wenigstens auch um spätestens 8 Uhr losgefahren … Aber inzwischen wissen wir ja, was die Südamerikaner von Pünktlichkeit halten. Wir konnten erst um ca. 8:15 Uhr überhaupt abfahren.

Soweit, so gut. Noch hätten wir genügend Zeit in Quebec gehabt. Wahrscheinlich hatte sogar jeder damit gerechnet, dass es nicht früher losgehen würde. Nur wir als „Deutsche“ waren eben wirklich pünktlich zur Abfahrt erschienen 😀

Doch schon nach einer halben Stunde Fahrt mussten wir bei einem McDonald’s Halt machen, da unser Bus einen Motorschaden hatte. Aus dem 20-bis-30-Minuten-Stop wurde ein einstündiger Aufenthalt. Wir nutzen die Zeit, um ein wenig in Ruhe zu frühstücken, was wir ja wegen des frühen Aufstehens zu Hause nicht mehr geschafft hatten. Nein, wir haben nichts bei McDonald’s gekauft, sondern gesundheitsbewusst, wie wir sind, Bagel und Äpfel gegessen. Und wir konnten so den kanadischen McDonald’s etwas genauer begutachten und bemerkten, dass man den Ahornblättern wirklich nirgends entkommen kann!

Nach einer Stunde erreichte uns endlich der Ersatzbus und die Fahrt konnte weitergehen. Dummerweise gerieten wir schon bald auf dem Highway in einen Stau. Schnell war uns klar, dass wir damit natürlich hätten rechnen müssen, da viele wohl das verlängerte Wochenende (bei uns war am Montag Labour Day und daher keine Schule :-D) nutzen würden, um wegzufahren. Daher wichen wir auf eine Country Road aus und kamen so in den Genuss, eine schöne Landschaft mit wirklich hübschen Häusern, die uns an Filme und die Südstaaten erinnerten, zu sehen!

Und ihr werdet es nicht glauben,  bald darauf entdeckte unserer Busfahrerin Vivien an unserem neuen Bus schon wieder einen Motorschaden und wir konnten nur noch mit 35 km/h dahinschleichen. Vivien versuchte also ein weiteres Mal, bei ihrem Chef einen neuen Bus zu verlangen. Da sie aber im Bus keinen Empfang hatte (wir sind uns nicht ganz sicher, ob hier Telefonieren während des Autofahrens erlaubt ist), machten wir eine weitere Rast bei einer Tankstelle. Bei der Gelegenheit lernten wir aber zwei weitere Deutsche kennen und fanden heraus, dass der Vater des Mädchens bei der gleichen Firma wie Kathrins Vater arbeitet und die beiden sich sogar kennen (also die Väter)!  Tja, die Welt ist ein Dorf! 🙂

Uns wurde gesagt, dass wir den nächsten Bus bei der Rückfahrt bekämen, es jedoch mit unserem derzeitigen Bus auf keinen Fall über den Fluss nach Quebec schaffen würden, da es auf der Brücke nicht erlaubt ist, nur 35 km/h zu fahren. Wir stellten uns schon mal darauf ein, die Fähre nehmen zu müssen.

Überraschender Weise (keiner weiß, was passiert ist) konnte der Bus aber plötzlich wieder normal fahren; die Warnlämpchen waren erloschen. Wer weiß, was Vivien mit dem Bus angestellt hat, aber wir konnten die Brücke ohne weitere Probleme passieren. Eigentlich hätte die Fahrt insgesamt drei Stunden dauern sollen. Wir sind schließlich um 13:30 Uhr angekommen; also nach über 5 Stunden.

Nichtsdestotrotz genossen wir unseren Aufenthalt. Der Besuch der Montmorency-Fälle wurde auf das Ende verschoben, da jeder nur noch aus dem Bus herauswollte. Endlich angekommen nutzten wir unsere freie Zeit erst einmal um ein Restaurant ausfindig zu machen und gemütlich zu Mittag zu essen. Da wir von den kanadischen Restaurants entweder preislich nicht überzeugt waren oder nicht wussten, was uns für Essen erwarten würde, griffen wir auf Altbewährtes zurück und aßen im „Little Italy“. Und das war die richtige Entscheidung, denn dort bekam Alicka die weltbesten Spaghetti serviert!

Frisch gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zu einem geführten Stadtrundgang. Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben. Seht selbst, wie schön Quebec ist und dass sich der Besuch trotz der widrigen Umstände gelohnt hat:

Was man noch wissen muss, ist, dass Quebec Kunst und Musik sehr schätzt. Da kann es leicht passieren, dass gefragt wird: „Was guck ich da eigentlich gerade an?“ „Wann kommt die Müllabfuhr?“ Und man bekommt zur Antwort: „Das ist moderne Kunst!“

Außerdem kann man an jeder Ecke Straßenmusiker und -künstler sehen. Es ist ganz normal, dass man sich in seiner Mittagspause auf die Straße stellt und etwas Gitarre spielt.

Auch beeindrucken war das Château Frontenac. Es ist ein Hotel, in dem noch heute die gekrönten Häupter residieren, wenn sie zu Besuch in Quebec sind. Dementsprechend ist es auch aufgemacht:

Um 18:00 Uhr mussten wir uns von dem schönen Städtchen leider schon verabschieden, weil ja noch die Wasserfälle auf uns warteten. Und die wollten wir nicht im Dunkeln erleben.

Wir sind uns nicht sicher, ob wir wirklich einen neuen Bus bekommen hatten, denn er sah dem zweiten Bus wirklich zum Verwechseln ähnlich. Fest steht nur, dass es schon wieder technische Probleme gab. Diesmal nicht am Motor, sondern an der Toilette, was sich in einem wirklich unangenehmen Geruch äußerte. Wir waren froh, dass wir zu den Wasserfällen nicht weit zu fahren hatten, und wir so vor dem Geruch schnell wieder fliehen konnten.

Wieder im Bus sitzend bemerkten wir, dass das Problem zum Glück behoben war. Doch unsere dreistündige Heimfahrt konnten wir zunächst immer noch nicht so ganz genießen, was daran lag, dass wir im Bus beinahe erfroren wären. Auf Nachfrage hörten wir, dass die Klimaanlage defekt sei und deshalb die Fenster offen wären. Glücklicherweise bot uns unser Guide jedoch seine Plätze direkt hinter dem Fahrersitz an, die wirklich viel wärmer waren! (Als Alternative hätten wir uns auch noch in den hinteren Teil des Busses setzen können, der ganz warm gewesen wäre. Aber das war uns definitiv zu nah an der Toilette!) Als dann auch noch die Füßstützen klemmten und wir mit vereinten Kräften die Armlehne nicht herunter bekamen, verfielen wir in einen hysterischen Lachkrampf.

Letztendlich konnten wir aber doch noch ein wenig die Landschaft genießen, insbesondere den schönen Sonnenuntergang.

Bald jedoch fielen uns schon die Augen zu. Wir wurden aber alle noch einmal geweckt, als wir die Brücke nach Montreal überquerten. Und die City bei Nacht ist wirklich genial! (Wir waren jedoch zu müde, um unseren Foto aus dem Rucksack zu kramen ;-))

Da uns Vivien aufgrund der vielen Unannehmlichkeiten wenigstens pünktlich heimbringen wollte, kamen wir schon vor halb elf an der Station Peel an. Die Metro erwischten wir auch noch gut, sogar das Umsteigen von Alicka passte zeitlich perfekt. Doch natürlich spielten wieder einmal die Buszeiten nicht mit. So konnten wir uns beide erst um kurz vor zwölf schlafen legen. Trotz der vielen Schlamassel finden wir, hat sich der Ausflug gelohnt. Wir wollen Quebec bald noch einmal besuchen!

In zwei Wochen wollen wir uns ja eigentlich zu den Niagara-Fällen aufmachen. Doch ob wir da wirklich mit der gleichen Organisation hinwollen ist noch die Frage …

Wer weiß, ob wir überhaupt ankommen würden 😀

Sep 6, 2012 - Kathrin    No Comments

Savoir-vivre auf Québecois

Am Freitag war ich mit meinen Mitbewohnerinnen Aki, Katherine und Carolina in einer Bar in Vieux-Montréal, genauer gesagt im Vieux-Port.

Der Name war nicht ‘die zwei Eichhörnchen’, oder ‘die zwei Ahornblätter’, wie man es für einen typischen Quebecer Pub\ Club vermuten könnte, sondern schlicht und ergreifend ‘Les Deux Pierrots’(die zwei Clowns).                                                                                                                                                                                 Am Anfang stand man noch rum und hat gemütlich Sangria getrunken (typisch kanadisch – ich weiβ). Aber irgendwann wurden die wenigen Tische und Stühle beiseite geschoben und es wurde auf alle möglichen Lieder getanzt. Die Spanne reichte von ‘Born to be wild’ bis zu ‘Pretty Woman’. Natürlich durfte beim, besonders bei frankophonen Quebecern ausgeprägten, Nationalstolz der Kanadier, auch das ein oder andere französischsprachige Lied nicht fehlen. Ich sag euch, da hat der Bär getobt!

Ach, wenn ich gerade bei le québecois bin: Ich bin mal wieder in ein Sprach-Fettnäpfchen, genauer gesagt in zwei, getreten. Erstens: Es heiβt nicht Donut, sondern le beigne. Zweitens: Es ist auch nicht Pull, wie in Frankreich, sondern chandail.

Alles in allem war es ein gelungener Abschied für Katherine, die einen Tag später Montréal verlassen hat und jetzt noch ein bisschen durch Quebec und Ontario tourt. Ich hab mich um Mitternacht auch schon auf den Heimweg gemacht, weil ich ja schon um 5:30 Uhr am nächsten Morgen aufstehen musste, um rechtzeitig beim Bus nach Quebec City zu sein. Dank der groβartigen Verkehrsverbindungen war ich aber erst um halb zwei Uhr nachts zu Hause.        Aber ich will mich ja nicht beschweren, hätte schlimmer sein können. Wurde es auch – nämlich heute. Mein erster Bus ist gar nicht gekommen und der zweite mit Verspätung. An den späteren Haltestellen ist er wegen Űberfüllung dann einfach vorbeigefahren, obwohl Kinder mit Schuluniform verzweifelt gewunken haben.

Damit ihr wisst, dass ich hier in der Schule an einer englischen Tastatur unter Schwerstbedingungen diesen Artikel schreibe, kopiere ich euch mal die Liste der Umlaute und anderer Buchstaben, die ich ständig einfügen muss: ÈéèäöüŰβ. Heute Nacht träume ich bestimmt von copy and paste.

Einen Bären hab’ ich bisher nur einmal gesehen und der war auf einer Bierflasche:

Liebe Grüße aus dem noch warmen Kanada,

eure Kathrin

Sep 5, 2012 - Alicka    No Comments

Canadian Beach

Am Montag war bei uns Labour Day. Wir hatten keine Schule und das musste genutzt werden!

Blanca hat eine ganze Schar von „Adoptivkindern“, alles Freunde von Alex.
Alex selbst war auf einer Hochzeit eingeladen und hatte deshalb keine Zeit. So unternahmen also nur Blanca, Artie, George, Jacques und ich etwas.

Das Ziel war ein See, ca. eine dreiviertel Stunde von uns entfernt, mit Strand.

Schon am Vormittag richtete ich mit Blanca den Proviant. Schließlich wollten wir den Tag nicht hungrig verbringen. Zwischen zwölf und ein Uhr kamen dann die anderen bei uns an und es konnte losgehen.
George fuhr.
Schon allein die Autofahrt war ein Erlebnis für sich!
Auf dem Highway unterwegs zu sein, bei dem heißen Wetter die Fenster ganz heruntergekurbelt zu haben und zur lauten Musik mit zu singen und zu tanzen (soweit möglich) hat schon etwas 😀

Wir kamen also sehr gut gelaunt an und picknickten erst einmal. Danach legten wir uns gemütlich mit den Badetüchern an den Strand und gingen ins Wasser. Mich hat es an eine Mischung aus unserem altbekannten Blausee und dem Meer erinnert. (Und ja, hier ist es tatsächlich noch so warm. Kaum zu glauben! Aber mir wurde prophezeit, dass es der Winter wirklich in sich hat, ich ihn aber lieben werde.)

Anschließend spielten wir noch Volleyball und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Es hat wirklich Spaß gemacht, die „echten“ Kanadier (falls man sie überhaupt so nennen kann, George kommt aus Russland und Arties Familie ist indisch) mal besser kennenzulernen. Wir werden hoffentlich noch öfter etwas gemeinsam unternehmen. Nur an den Strand können wir dummerweise nicht mehr, denn der ist ab nächster Woche geschlossen …

PS: Ich weiß natürlich, dass ihr schon alle ganz gespannt auf unseren Quebec-City-Bericht wartet. (Für alle die nicht Bescheid wissen: Wir besuchten die Stadt am Samstag.) Ihr müsst euch euch leider noch ein klein wenig gedulden, denn der Bericht scheint länger zu werden. Wir geben uns aber die größte Mühe, ihn so schnell wie möglich zu veröffentlichen! 😉